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Christiane von mom;

Christiane ist 31 Jahre jung, im Mai diesen Jahres Mama geworden.

Ich bin, na ratet wo, bei Instagram auf Ihr Profil aufmerksam geworden.

Christiane ist eine Kämpferin.

Spricht ein „Tabu Thema“ an.  Redet über die nicht so schönen Dinge im Leben.

Offen, authentisch und mutig.

Tabuthema, ich finde das so albern!! Aber es ist tatsächlich so. Wir haben selbst mit Depressionen und sogar Panikattacken in der Familie zu kämpfen gehabt. Die Menschen können damit erst mal nicht umgehen, mit den Betroffenen. Es ist halt keine greifbare Krankheit.

Umso mutiger dieser Seelenstrip. Da macht sich jemand so angreifbar, ist so offen zu einer Community um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um aufzuklären, um zu signalisieren „Du bist nicht allein.“

 

Nach der Geburt ihres Sohnes kämpft Christiane mit Panikattacken, wie schon einige Jahre zuvor mal. In unserem Interview hier bei m.otherearth erfahren wir mehr über das WIE, das WIE da wieder raus und auch über Ihr Label, das aus einem Solidaritätsgedanken entstanden ist und uns richtig gut gefällt.

 

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(In diesem Sinne Werbung II weil Herzenssache.

Wir werden für unsere Interviews nicht bezahlt!)

 

Interview

Du bist aus Bayern in die Schweiz gezogen, euer Kind ein ungeplantes Wunschkind, ein neuer Job, neue Umgebung. Ganz schön spannend. Wie kam es zu dem Umzug? Der Liebe wegen?

 

Ungeplantes Wunschkind – was für eine tolle Beschreibung für unseren kleinen Sohn! Das werde ich mir klauen J

Ende 2016 bekam mein Partner ein Jobangebot aus der Schweiz. Ich war am Ende meines BWL Studiums und zuvor noch nie in der Schweiz gewesen. Also fuhren wir an einem Samstag von München nach Zürich und ich dachte „okay – das ist cool. Das machen wir!“. Und so war es dann. Er ging im Januar 2017 in die Schweiz und ich folgte ihm im Juli, nachdem ich einen Job gefunden hatte. Am 12.09. fand der große Umzug statt, am 18.09. hielt ich überraschenderweise einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Ein Schock!

 

     Christiane, dein Sohn kam im Mai 2018 zur Welt. Die Geburt war nicht sonderlich einfach, endet mit einer Sectio. War da sofort dieses Loch? Die Ängste? Und kannst du in Worte fassen wovor du Angst hattest?

 

Nein, erst mal war (trotz der furchtbaren Schmerzen und der Erschöpfung) da einfach nur Freude. Ich war versöhnt mit der Welt und total überdreht. Ich hatte zu dem Zeitpunkt seit gut 3 Tagen nicht geschlafen. Und dabei blieb es auch nicht.. Am Ende habe ich gut 6 Tage nicht geschlafen, weil ich panische Angst davor hatte.

Während dem Kaiserschnitt fiel immer wieder mein Blutdruck rapide ab und ich schwebte dauernd zwischen Wachsein und Bewusstlosigkeit. Ein schreckliches Gefühl! Man muss dazu sagen, dass ich seit meinem dritten Lebensjahr an einer Erkrankung leide, die mich bis zum Ende der Pubertät mindestens 1x pro Monat bewusstlos werden ließ. Nicht schön daran erinnert zu werden, wenn man auf einem OP Tisch liegt.

Ich war also einfach insgesamt nach der Entbindung am Ende meiner Kräfte – wenn auch erst mal euphorisch. 6 Tage nach der Geburt von Baby C. konnte ich dann plötzlich nicht mehr essen, bekam es mit Durchfall und Übelkeit zu tun. Das war der Moment, in dem ich richtig Angst bekam. Angst davor, mein Kind nicht versorgen zu können.

 

      Du berichtest, dass deine Hebamme dir eine große Hilfe war? In wie fern? Und hat sie dich schon in der Schwangerschaft begleitet?

 

Nathalie habe ich am Anfang meiner Schwangerschaft bei einem Infotermin in der Hebammenpraxis (Hebamme unterwegs in Winterthur/Schweiz) kennengelernt. Das Prinzip ist, dass man dort von einem Team aus 3-4 Hebammen betreut wird, die alle eine Spezialausbildung haben. So kann eine Hebamme eine Trageberatung anbieten, während eine andere sich mit Akkupunktur auskennt. Zu Nathalie hatte ich aber sofort einen besonderen Draht und als ich merkte, dass ich wirklich NICHTS mehr bei mir behalten kann und immer schwächer wurde (ich hatte auch immer noch nicht geschlafen!) habe ich sie abends um 21 Uhr angerufen mit den Worten „Nathalie, ich weiß nicht was los ist, aber es ist ganz ganz schlimm. Ich glaube ich schaffe das nicht.“ (Anmerkung: bei dem Gedanken muss ich grad tatsächlich weinen)

Obwohl Nathalie niemanden hatte, der auf ihren eigenen 8-jährigen Sohn aufpasst kam sie nur 15 Minuten später zu uns – ihren Sohn hat sie einfach bei uns auf die Couch gesetzt und ihm gesagt, dass sie jetzt erst mal mir helfen muss.

Sie bestand mehr oder weniger darauf, dass ich zurück ins Spital gehe, um abklären zu lassen, was mit meinem Magen los ist. Viel mehr aber – wie sie mir später sagte – wollte sie, dass ich psychologische Hilfe bekam. Und so war es dann. Ich ging für 3 weitere Tage in die Klinik.

Insgesamt habe ich gut 6 Tage nicht wirklich geschlafen. Jedes Mal, wenn mein Körper versuchte einzuschlafen, schreckte ich hoch. Ganz ähnlich wie man es bei Babys beobachten kann. Gegessen habe ich erst wieder, als meine Mama kam. Das war 11 Tage nach der Geburt. Ich verlor in dieser Zeit 19kg. (Anmerkung: ich habe aber auch 28kg zugenommen)

 

         Woher kam die Kraft weiter  zu machen? Zu Kämpfen? Sich nicht unter Kissen zu vergraben und im Schlafzimmer zu verbarrikadieren? Mutterliebe?

 

Mutterliebe – absolut. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass diese Mutterliebe nicht von Minute 1 an da war. Ich habe meinen Sohn natürlich geliebt, aber nicht so wie jetzt. Als ich ihn das erste Mal sah, in diesem grausam kalten OP, war er einfach nur blau und schmierig und ich war überfordert. Und soooo müde. Ich habe ihn geliebt, natürlich! Aber erst nach einigen Tagen so richtig. Nach dem zweiten Krankenhausaufenthalt lag er nachts neben mir, ich schaute ihn an und weinte, weil er so perfekt war. So unglaublich schön. Ich will damit nur sagen, dass es nicht immer von 0 auf 100 geht mit der Mutterliebe. Aber das nur am Rande!

Die Kraft kam nichtsdestotrotz durch oder wegen oder für meinen Sohn. Ich wollte (und will) ihm unbedingt eine gute Mutter sein und ihn versorgen können. Noch mehr als Liebe, trieb mich also mein Beschützerinstinkt. Ich aß auch nur, damit die Milch nicht gänzlich ausbleibt. Und ich weinte nie vor ihm. Das tue ich heute noch nicht. Weil er (erst mal) sehen soll, dass seine Mama stark und tapfer ist.

 

        Welche Rolle spielt dein Partner hier?

 

Tobi kennt mich seit gut 4 Jahren und er weiss um meine Panikattacken. Allerdings bezogen die sich ja immer „nur“ auf das Fahren auf der Autobahn. Also auch für ihn eine völlig neue Situation. Manchmal liege ich nachts wach und frage mich, ob er das alles unbeschadet überstanden hat.

Erst die 3 Tage Einleitung, mich zu sehen, wie ich vor Schmerzen weine und um mein Leben schreie. Dann die Entscheidung zum Kaiserschnitt, das Glück und die Freude, über unseren gesunden kleinen Sohn. Und dann mein Zusammenbruch. All die Tränen, die schreckliche Angst. Er war bei mir. Er schlief insgesamt 7 Nächte auf einem Klappbett neben mir. Erst zur Einleitung und dann, als ich wegen meiner Angststörung behandelt wurde. Am Muttertag holte er mich nach Hause und versucht seither alles irgendwie richtig zu machen. Dafür liebe ich ihn noch mehr als vorher. Wenn das überhaupt geht.

Aber - #fürmehrrealität – auch wir streiten! Es kracht auch mal ordentlich zwischen uns und wir sind uns keineswegs immer einig.

 

     Wie sah die Behandlung stationär im Krankenhaus aus und wie geht es aktuell weiter für dich?

 

Ich hatte riesiges Glück! Die Schwestern die sich um mich kümmerten wurden schnell zu absoluten Bezugspersonen, eine von ihnen ist heute sogar privat meine Freundin.

Auf Station wurde zum einen eine ernsthaft Erkrankung meines Magens/Darms ausgeschlossen und zum anderen wurde ich vom psychologischen Notdienst betreut. Ein Psychologe unterhielt sich mit mir, hörte sich meine Vorgeschichte an (seit 2011 leide ich unter einer Angststörung) und zeigte mir Möglichkeiten auf. Am Ende war klar: Ohne Tabletten werde ich das nicht unbeschadet überstehen. Ein absoluter Schlag ins Gesicht! Ich wollte NIE MEHR Antidepressiva nehmen. Sie standen für mich für Schwäche, für Versagen. Ich war ab Boden zerstört, noch mehr als vorher. Aber: ich wollte, dass es aufhört. Diese ständige Angst, 24 Stunden täglich Todesangst. Ohne Grund! Man muss sich das so vorstellen, als wenn man ganz sicher wüsste, dass man gleich sterben muss. Und das obwohl man doch gerade der glücklichste Mensch auf Erden sein sollte. Es ist grausam! Jeder, der je eine Panikattacke hatte, weiß wovon ich rede.

Zum Glück habe ich mir ein Netz aus anderen Betroffenen in meinem privaten Umfeld aufgebaut, auf das ich zurückgreifen konnte. Ich telefonierte mit einer Freundin, der es nach der Geburt ähnlich ging und langsam bekam ich neuen Mut. Ich nahm mein Schicksal und die Angst an. Und die Tabletten. (Die man auch während der Stillzeit bedenkenlos einnehmen darf).

Zusätzlich dazu bekam ich umgehend einen Platz in einer frauenspezifischen Therapieeinrichtung hier in Winterthur und gehe seither wöchentlich zur Therapie.

 

     Dann kam die Idee zum „Mom;“ . Anderen Frauen in ähnlicher Situation das Gefühl zu geben „Du bist nicht allein.“ Auch das RainbowMom; Shirt gefällt mir und vielen anderen sehr. Für Mütter, mit Sternenkindern, die daraufhin mit einem Baby gesegnet wurden sicher auch ein Zeichen, ein solches Shirt zu tragen. Glück, unendliche Liebe für das kleine Wunder, aber auch, dass Sie ihr Sternenkind immer im Kopf und im Herzen mit sich tragen. Erzähl uns mehr zu deinem Label.

 

Mom; entstand im Gespräch mit einer (Instagram)Freundin. Ich wollte über meine Geschichte reden, Aufmerksamkeit für das Thema schaffen. Das #thesemicolonproject verfolge ich schon seit Jahren, seit es mir 2011 richtig schlecht ging und ich zeitweise auch an Suizid dachte. Aber jetzt bin ich eine Mama – eine Mom – dachte ich und dann war da einfach die Idee diese beiden Dinge zu verknüpfen und zack – war Mom; geboren. Und da es ein bisschen wie Momi aussieht, entstand daraus momilabel.

Die Idee zu RainbowMom; kam dann durch eine weitere (Instagram)Freundin. Sie hat vor 4 Jahren ihre Tochter in der 30. Schwangerschaftswoche verloren und war zeitgleich mit mir schwanger. Heute ist ihr Regenbogenbaby gut 4 Monate alt und einer der besten Kumpels meines Sohnes. Ich wollte gern für sie ein besonderes Shirt machen und so entstand RainbowMom;

Mittlerweile ist momilabel mehr als nur das Label, das coole Momshirts verkauft. Wir sind eine richtige Community – wenn auch nicht sehr gross – geworden und ich habe noch nie so viel Liebe und Zuspruch erfahren! Von Instagram kenne ich ja eher die Müttermafia, die verurteilt und bewertet. Bei momilabel schreiben die Mom;s ganz offen, was ihnen schlimmes passiert ist und erfahren so viel Liebe von anderen Mamas! Es ist einfach nur schön – auch wenn es kitschig klingt J

 

        Hast du Ratschläge für Frauen in deiner oder ähnlichen Lebenslagen? Oder vielleicht auch fürs Umfeld, Freunde, Familie? Was hättest du dir gewünscht, was tat oder  tut dir gut?

Ja, habe ich tatsächlich! Es gibt nur einen Rat, den ich euch geben kann: REDET DARÜBER! Sprecht offen an, dass es euch nicht gut geht und dass ihr Hilfe braucht. Habt keine Scheu, denkt nicht, dass ihr versagt. Das Gegenteil ist der Fall. Ihr seid stark, WEIL ihr Hilfe annehmt. Und schafft euch ein Sicheheitsnetz aus Menschen, die euch verstehen, die zuhören, nicht urteilen, lieb zu euch sind.

Für Familie und Freunde ist die Situation oft noch schlimmer, als für den Betroffenen. Weil man oft einfach nicht helfen kann. Obwohl man nichts lieber wollen würde. Was mir geholfen hat war diese Frage: „Was brauchst DU jetzt?“. Die ehrliche Frage, was man für ich tun kann, damit es mir besser geht. Das hat mir geholfen.

Was ich aber ganz klar sagen will ist: An diesem Punkt ist professionelle Hilfe meist unabdingbar. Versucht nicht zu lange „da irgendwie selbst wieder rauszukommen“. Nehmt Hilfe an! 

Ich würde gern ein Resümee schreiben, doch das sprengt an dieser Stelle irgendwie den Ramen.

Außerdem lassen die Jungs das gerade hier nicht zu.

Ich wollte nur so schnell wie möglich dieses tolle Interview auf den Blog bringen.

Deshalb hier mein Schlusswort..

DANKE. Danke Christiane für so viel Offenheit und Mut.

Wir von motherearth glauben fest an dich und auch an momilabel!!

Sei gedrückt

Alexandra

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Kommentare: 3
  • #1

    Anja (Montag, 27 August 2018 20:23)

    ein tolles Interview, so echt und verstaendlich fuer mich

  • #2

    Christiane (Montag, 27 August 2018 21:59)

    Ihr Tollen!
    DANKE für die Möglichkeit, DANKE fürs zuhören, DANKE fürs an mich glauben!
    Mir bedeitet das die Welt. ♥️

  • #3

    Magdalena (Dienstag, 28 August 2018 09:05)

    WOW!! richtig tolle Frau. Tolles Interview. ich fuehle das so!!! alles gute Christiane.

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Alina und Alexandra.

 

Zwei ehemalige Flugbegleiterinnen.

 

Zweifachmamas.

 

Wir teilen nicht nur die Affinität für fremde Kulturen und Länder, vielmehr auch den Wunsch, unsere kleinen Menschenkinder zu weltoffen denkenden, toleranten und achtsamen Erdbewohnern auf zu ziehen.

 

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Desweiteren schwelgen wir gern in Erinnerungen aus unserer Zeit als Flugbegleiterin - hierzu findest Du mehr in der Rubrik "Gallytalk".

 

So kam die Idee zu diesem Blog.

 

 

 

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Instagram: m_otherearth.blog


Kommentare: 8
  • #8

    Jenny (Freitag, 06 Juli 2018 21:25)

    Gefällt mir auch sehr gut!

  • #7

    Nicole (Donnerstag, 05 Juli 2018 08:54)

    Hi Alex,
    Nachdem ich euren Blog jetzt schon einige Zeit mitlese muss ich euch mal eine Nachricht hinterlassen. Ich bin richtig begeistert von den Beiträgen, sind alle immer sehr gut geschrieben. Zudem freut es mich dass Du eine tolle neue Aufgabe gefunden hast nach unserer heißgeliebten Fliegerei. Ich hoffe noch viel mehr von Dir/Euch lesen zu können.
    LG aus dem Raum NUE
    Nicole (Mutti ;-))

  • #6

    Lou (Mittwoch, 13 Juni 2018 13:15)

    Also ich muss sagen, das hier ist mein absoluter Lieblings-Mama-Blog. Liebe den roten, globalen Faden.. :) weiter so Girls!!

  • #5

    Gulia (Dienstag, 02 Januar 2018 12:25)

    Ich bin über eine Instafreundin auf euren Blog gestoßen.
    Richtig schön, bin gespannt auf das was noch kommt!! Frohes Neues Jahr und lieben Gruß

  • #4

    Marie (Sonntag, 10 Dezember 2017 16:47)

    Newsletter bestellt ;)
    Super Blog weiter so.

  • #3

    Carola (Freitag, 08 Dezember 2017 16:23)

    Schöner Blog. Auch als oma interessant! Macht ihr klasse Mädels.. .

  • #2

    Marga (Mittwoch, 22 November 2017 19:30)

    Super toll geschrieben gefällt mir sehr weiter so Marga

  • #1

    Susy (Mittwoch, 22 November 2017 13:07)

    Hallo Alina ♥
    Hallo Alexandra!

    Ich bin jetzt schon begeistert von eurer Seite.
    Toll aufgebaut, sehr informativ und eure Foto´s sind der Hammer.
    Ich habe mich direkt in eurem Newsletter eingetragen, so dass ich nichts mehr verpasse.
    Macht weiter so...Liebe Grüße, Susy☺