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Zwei unter Zwei - drei Jahre später..

..von Rivalität und Liebe unter Geschwistern und einem Jahr Elternzeit mal anders

Einen Monat vor seinem zweiten Geburtstag wird unser Milan "großer" Bruder.

Welche Bedeutung das für ihn hat und hatte, wird mir so richtig erst einige Zeit später bewusst.

 

Gleichzeitig wird er nämlich verantwortlich.

Schluss mit heititeiti und Babysprache - plötzlich soll er sein Zimmer mit aufräumen, Rücksicht nehmen, sich die Schuhe selbst anziehen, eben warten, "vernünftig" essen, und so weiter..

 

 

 

Das ist ganz schön anstrengend und blöde!!

 

Jetzt ist da dieser Bruder, über den sich alle freuen - ja , hab ich zu Beginn ja auch - aber der bekommt nie Ärger, auch wenn er die ganze Nacht brüllt, seinen Brei rumwirft, die Mama anspuckt.

Der muss sein Spielzeug nie weg räumen und der muss auch nie so lange warten wie ich, oder sich beeilen, wenn`s mal wieder schnell gehen soll.

Dann macht er mein Lego kaputt und wenn der Papa von der Arbeit kommt wird er abgeknutscht, als ob er was richtig tolles gemacht hat.

Dabei kann der eigentlich nix.

Spielen kann ich auch nach einer halben Ewigkeit nicht mit dem.

Überall, wirklich üüüüüberall freuen sich die Menschen über dieses Menschenkind, wie sie sich vor kurzer Zeit noch über mich gefreut haben.

 

Das müssen in etwa die Gedanken unseres Erstgeborenen gewesen sein!!

Neulich hab ich irgendwo gelesen, dass die Geschwisterbeziehung von gleichgeschlechtlichen Geschwistern mit geringen Altersunterschied nicht von ambivalenteren Gefühlen geplagt sein könnten.

Das trifft es ganz gut bei unseren Jungs.

Der große Bruder liebt seinen kleinen Bruder sehr, er beschützt und umsorgt ihn.

Als Nael in den Kindergarten kommt,hören wir immer wieder, welch schöne Einheit die beiden bilden.

Noch immer wird regelmäßig in der gleichen Gruppe gefrühstückt und gespielt - und wenn der Große mal mit seinen Jungs rumhängen will und keine Lust auf seinen kleinen Bruder hat, ist dieser nie böse und zieht sich zurück.

 

Zu haus ist das anders. Gern gibt es für Belangloses mal einen drauf.

Der Große ist wütend und eifersüchtig und sein kleiner Bruder nervt ihn, andrerseits weiß er, dass es dafür eigentlich keinen richtigen Grund oder es keinen Schuldigen gibt.

Und diese Gefühle wiederum verärgern ihn selbst.

Er kann sie nicht rechtfertigen, nicht vor uns und nicht vor sich selbst.

Aber sie sind halt da.

 

So mancher Wutausbruch hat mich als Mama hier schon zur Verzweiflung gebracht. Mittlerweile hab ich gelernt die Jungs dann einfach mal zu lassen. Nicht so viel einzugreifen, nicht immer sofort trösten oder besänftigen wollen - gelegentlich muss ein Wutanfall mal so richtig gelebt werden.

Und dann ist auch wieder gut.

Manchmal müssen sie einen "Kampf" unter sich ausmachen, ohne eine belehrenden, schimpfende Mama mit erhobenem Zeigefinger im Türrahmen.

 

Eine Sechsfachmama-Kinderrecht-Pädagogik-Freundin aus dem KiGa hat mir kürzlich gesagt, dass was Sie sich jetzt nicht prügeln, das prügeln sie sich dann mit 16..

Na dann doch bitte jetzt.

Schließlich brechen die Knochen jetzt noch nicht so schnell! 

Ich hoffe sie sind dann bald durch..

Natürlich katapultiert sich ein (großes) Geschwisterkind schnell mal in die Rolle des Kratzbürstigen, des Zornigen, des Wütenden oder Unzufriedenen - denn viel häufiger als ein ernst gemeintes "Das hast du toll gemacht." oder "Du bist aber lieb.", hören wir uns sagen: "Beeil dich, wir kommen zu spät!" - "Lass deinen Bruder in Ruhe!" - "Warum hast du schon wieder.." - "Muss man denn alles sechs mal sagen..!?" Laber, laber, motz, motz, motz..

Mit "negativem" Verhalten komme ich an AUFMERKSAMKEIT, Mamas ungeteilte Aufmerksamkeit..

Auch wenn die Aufmerksamkeit und Zuwendung immer die gleiche ist, nehmen unsere Kinder das aus einem anderen Blickwinkel wahr und fühlen sich schnell mal vernachlässigt.

Und wie schnell befindet man sich in einer Negativspirale, ohne es mitzubekommen. Und wie schnell sich ein sonst ach so liebenswertes, zufriedenes Kind seiner "Rolle" annimmt und da nicht mehr so schnell von los kommt, das hab ich dann schnell gemerkt.

Zum Glück.

Die Verantwortung dafür liegt nie beim Kind.

Wer ist schon gern der oder die ewig Getadelte?

Eine ausgestreckte Hand.

Ich hab dich immer lieb. Für immer.

Mama und Papa die sehen, fühlen, verstehen und da sind. Mehr braucht es da nicht.

Ne Menge Geduld, Empathie, Ruhe und Rotwein. - Für die Eltern, nicht die Kinder. Sofern abgestillt.  :)

Ich denke bei jeder familiären Veränderung und auch jedem neuen Geschwisterkind müssen sich alle neu finden.

Jeder seine Rolle.

Geschwisterkind sein ist doch etwas wunderbares. Meistens.

 

Die gemeinsame Kindheit und Erinnerungen ein gewaltiges Kapital.

Die geschwisterliche Verbindung hält länger als alle anderen im Leben. Freundschaften und Beziehungen vergehen. Eltern sterben, Geschwister bleiben.

Sie wissen so viel voneinander.

Gefährten in der Kindheit. Die erste Liebe. Der Schulabschluss. In Teenagerjahren der größte und peinlichste Stressfaktor.

 

Viel Raum für ambivalente Gefühle - eben noch bester Spielkamerad oder Verbündeter gegen Mama und Papa - im nächsten Moment größter Rivale.

 

Bei uns ist der "Große" ja selbst noch ein ganz Kleiner.

Um den Druck und das Gefühl der Rivalität etwas raus zu nehmen, haben wir den Entschluss gefasst, dass ich erstmal aufhöre zu arbeiten.

Auch wenn ich immer nur 20 Stunden gearbeitet habe, war das doch ganz schön viel.

Jetzt in dem letzten Jahr vor der Schule bleibe ich noch mal zu Haus, wir schrauben unsere Ansprüche zurück und ich bin mal nur für die Jungs da.

Glücklich und dankbar, dass das aktuell so möglich ist.

 

Freitags waren die Kinder eh selten im Kindergarten, da bleiben sie weiterhin zu haus.

Und einen weiteren Tag in der Woche bleibt nun einer allein mit mir oder uns zu Haus.

Einen Tag an dem jeder einfach mal Einzelkind sein kann.

Eine Radtour mit Mama allein, ein Eis essen gehen, ein Buch lesen, ein Spiel spielen oder einen Ausflug den nur er allein aussuchen kann.

Der Ernst des Lebens geht schon früh genug los und die Zeit fliegt.

 

Den ersten Mama Tag hat Milan Anfang der Woche schon genossen und er fand es super. War beim Abholen des kleinen Bruders im Kindergarten stolz wie Oskar.

Nael war kein Stück eifersüchtig und fand es gar nicht blöd allein in den Kindergarten zu gehen.

Beide haben verstanden worum es geht.

Milan wollte ihm sogar den Vortritt lassen.

Und ich sag euch was.. als ich dem Milan gesagt hab, dass ich gern mal mit ihm ins Lego-Land gehen mag, hat er gesagt, dass Nael da aber mit kommen soll.

Ist das nicht schön?!

 

Ich mache morgens den Haushalt und was man so macht. Hole die Kinder entspannt und zeitig ab und hab nur Zeit für sie.

Ich freue mich auf ein tolles Jahr Elternzeit mal anders..

Eure Alexandra

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Carola van Gastel (Samstag, 26 Mai 2018 20:38)

    Du bist die Beste.Besser kann man die Situationen nicht beschreiben ,die die Beiden gerade durchleben.Ich wünsche mir ,das sie zusammen glücklich bleiben und wissen wie wertvoll Geschwister sind.

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Das sind wir

Alina und Alexandra.

 

Zwei ehemalige Flugbegleiterinnen.

 

Zweifachmamas.

 

Wir teilen nicht nur die Affinität für fremde Kulturen und Länder, vielmehr auch den Wunsch, unsere kleinen Menschenkinder zu weltoffen denkenden, toleranten und achtsamen Erdbewohnern auf zu ziehen.

 

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Desweiteren schwelgen wir gern in Erinnerungen aus unserer Zeit als Flugbegleiterin - hierzu findest Du mehr in der Rubrik "Gallytalk".

 

So kam die Idee zu diesem Blog.

 

 

 

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Instagram: m_otherearth.blog


Kommentare: 8
  • #8

    Jenny (Freitag, 06 Juli 2018 21:25)

    Gefällt mir auch sehr gut!

  • #7

    Nicole (Donnerstag, 05 Juli 2018 08:54)

    Hi Alex,
    Nachdem ich euren Blog jetzt schon einige Zeit mitlese muss ich euch mal eine Nachricht hinterlassen. Ich bin richtig begeistert von den Beiträgen, sind alle immer sehr gut geschrieben. Zudem freut es mich dass Du eine tolle neue Aufgabe gefunden hast nach unserer heißgeliebten Fliegerei. Ich hoffe noch viel mehr von Dir/Euch lesen zu können.
    LG aus dem Raum NUE
    Nicole (Mutti ;-))

  • #6

    Lou (Mittwoch, 13 Juni 2018 13:15)

    Also ich muss sagen, das hier ist mein absoluter Lieblings-Mama-Blog. Liebe den roten, globalen Faden.. :) weiter so Girls!!

  • #5

    Gulia (Dienstag, 02 Januar 2018 12:25)

    Ich bin über eine Instafreundin auf euren Blog gestoßen.
    Richtig schön, bin gespannt auf das was noch kommt!! Frohes Neues Jahr und lieben Gruß

  • #4

    Marie (Sonntag, 10 Dezember 2017 16:47)

    Newsletter bestellt ;)
    Super Blog weiter so.

  • #3

    Carola (Freitag, 08 Dezember 2017 16:23)

    Schöner Blog. Auch als oma interessant! Macht ihr klasse Mädels.. .

  • #2

    Marga (Mittwoch, 22 November 2017 19:30)

    Super toll geschrieben gefällt mir sehr weiter so Marga

  • #1

    Susy (Mittwoch, 22 November 2017 13:07)

    Hallo Alina ♥
    Hallo Alexandra!

    Ich bin jetzt schon begeistert von eurer Seite.
    Toll aufgebaut, sehr informativ und eure Foto´s sind der Hammer.
    Ich habe mich direkt in eurem Newsletter eingetragen, so dass ich nichts mehr verpasse.
    Macht weiter so...Liebe Grüße, Susy☺