Catrin Kroeger - Darwin - Nothern Territory - Australien

Hallo, ich bin Catrin, 35 und lebe in Australien.

 

Ich selbst hatte das Glück mit zwei Kulturen gross zu werden. Meine Mutter kommt aus Ecuador - mein Vater aus Deutschland. Ich bin in Deutschland geboren und größtenteils aufgewachsen, fühle mich in Ecuador jedoch genauso zu Hause da es meiner Mutter immer sehr wichtig war mir ihre Kultur und Sprache weiterzugeben, und ich auch ein paar Jahre dort gelebt habe. Wenn ich an meine Kindheit zurück denke bin ich sehr dankbar da ich das Gefühl habe einen guten Mix abbekommen zu haben. Zum einen habe ich die sehr emotionale und "gelassene" Erziehung meiner Latino Mutter bekommen, zum anderen das strukturierte und wahnsinnig gute Bildungssystem in Deutschland genossen.

Vor fünf Jahren bin ich auf einem Working Holiday Visum nach Australien gekommen und hier hängen geblieben.

Der Grund dafür ist mein Freund Tom - gebürtiger Australier, Vater meiner Tochter.

Das meine Tochter in Australien geboren ist, und bisher auch nichts anderes gesehen hat, finde ich "irgendwie komisch".

Als letzte Woche ihr australischer Pass mit der Post ankam, musste ich erstmal schlucken.

Ich habe mir in dem Moment zum ersten Mal darüber Gedanken gemacht, wie es wohl sein wird eine "australische" Tochter zu haben, wo ich mich doch so garnicht australisch fühle. Wir leben ganz im Norden Australiens. In Darwin, da wo die Krokodile es einem unmöglich machen das Meer wirklich zu geniessen.

Dafür scheint immer die Sonne, die Menschen sind wahnsinnig relaxt und die "No-Worries-Mentalität" steckt eigentlich jeden sofort an. Bisher fand ich das immer sehr angenehm.

Wenn ich allerdings jetzt daran denke dass meine Tochter hier höchstwahrscheinlich mal zur Schule gehen wird, macht es mir ein bisschen Sorge, da von der "deutschen Disziplin" nicht viel zu spüren ist.

Als vor ein paar Monaten die Neffen meiner deutschen Freundin für drei Monate hier zur Schule gingen, haben sie berichtet wie Schüler im Unterricht schlafen, die Lehrer es nicht so genau mit den Hausaufgaben nehmen etc.

Und keinen scheints so richtig zu interessieren. "No worries" halt.

 

Dieses Weihnachten war meine Tochter natürlich noch zu klein um bewusst die Festlichkeiten mitzuerleben, aber mir ist zum ersten Mal wirklich bewusst geworden wie unglaublich schade ich es finde dass die Australier kaum Traditionen haben und sich um vieles überhaupt nicht scheren.

So lernen die Kinder hier noch nicht mal über den religiösen Hintergrund von Weihnachten.

In den öffentlichen Schulen und Kindergärten wird nur über Santa Claus und Rentiere gesprochen.

Ich unterhielt mich letztens darüber mit einer Grundschullehrerin auf einer Party - noch nicht mal sie selber wusste so wirklich über Jesus und Maria und das Christkind bescheid.

Dass weder Advent gefeiert wird, Nikolaus, oder die Kinder Adventskalender haben, brauche ich wohl garnicht erst zu erwähnen.

Meine - sehr katholische Latino Mutter - war über Weihnachten zu Besuch und wir haben mit der australischen Familie meines Freundes gefeiert.

Meine Schwiegermutter hat sich rührend darum gekümmert dass uns zu Liebe "Feliz Navidad" und "Oh Tannenbaum" gesungen wurde.

Wären wir nicht dabei gewesen wäre es allerdings bei "Australians let us Barbecue" und ähnlichem geblieben.

Ich bin mal gespannt wie das mit den zukünftigen Weihnachten wird, ob ich es schaffe die Traditionen aus meiner Kindheit an meine Tochter im tropischen Darwin weiter zu geben.

 

Ich habe hier nicht nur australische Freunde, sondern auch einen deutschen und einen Latino Freundeskreis.

Während meiner Schwangerschaft und auch seitdem unsere kleine Lucia geboren ist, haben sich viele ganz rührend um uns gekümmert.

Es ist interessant zu sehen wie die Deutschen oft ganz stereotypisch viel organisierter sind und nicht vorbei kommen ohne sich vorher anzukündigen.

Meine Latino Freunde hingegen kommen ganz unangekündigt mit gekochtem Essen oder bieten ihre Hilfe beim putzen etc. an.

Was mir lieber ist kann ich garnicht sagen.

Ich weiss beides sehr zu schätzen und hoffe dass meine Tochter sich von beiden Mentalitäten etwas abschneiden wird. Als Lucia auf die Welt kam hatte ich das Gefühl "ich muss das jetzt alleine machen". Von australischen und deutschen Freunden hatte ich im Vorhinein gehört wie wichtig es ist erstmal "alleine" mit dem Kind und Partner zu sein und keinen Besuch zu empfangen.

Ich kann dem auch teilweise zustimmen, allerdings nicht hundert prozentig. Glücklicherweise kamen gleich am Tag der Geburt zwei meiner Latino Freunde unangekündigt vorbei um uns Blumen zu bringen und ich freute mich total.

Daraufhin habe ich auch anderen Freunden und der Familie meines Freundes mitgeteilt dass ich mich über Besuch sehr freue.

 

Meine Mutter, die in Ecuador lebt, kam zwei Wochen nach der Geburt zu Besuch und hat fast zwei Monate mit uns in unserem mini Häuschen gewohnt.

Eigentlich kam sie nicht zu Besuch - sondern ausschliesslich zum Helfen.

Vom ersten Tag an hat sie vor allem gekocht, geputzt und gewaschen, sodass ich mich voll und ganz darauf konzentrieren konnte "Mutter zu sein".

Ich bin ihr wahnsinnig dankbar dafür.

Sie hat mir natürlich auch mit der Kleinen geholfen, in der ecuadorianischen Kultur ist es üblich dass die Oma, also die Mutter der Mutter, sehr viel zu sagen hat bzw. das das letzte Wort spricht da sie ja die Erfahrene ist.

Das war wiederum etwas , dass mir ein bisschen gegen den Strich ging da ich in manchen Dingen eine unterschiedliche Sichtweise habe, und eben nicht so traditionell wie meine Mutter bin.

 

So wie es momentan aussieht wird meine Tochter wohl größtenteils in Australien aufwachsen. Wir planen zwar jedes Jahr mindestens einen oder zwei Monate in Ecuador bei meiner Familie zu verbringen, und auch mal zwischendurch für ein oder zwei Jahre nach Deutschland zu ziehen, aber wahrscheinlich läuft es darauf hinaus dass der Lebensmittelpunkt hier sein wird.

Ich wage es zu behaupten, dass ich es bisher in meinem Leben meistens geschafft habe, mir das beste aus meinen zwei Kulturen heraus zu picken.

Meine Tochter wird wohl von drei Kulturen beeinflusst werden und ich bin mir im Klaren darüber dass dies nicht immer einfach sein wird. Ich hoffe jedoch dass sie eines Tages darüber dankbar sein wird und behaupten kann, dass sie sich das Beste aus der deutschen, ecuadorianischen und australischen Kultur herausgepickt hat.

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Kommentare: 2
  • #1

    Marie (Donnerstag, 01 Februar 2018 14:20)

    Was ein toller Beitrag! Ich kann es nicht glauben noch nicht einmal die Lehrer da, wissen woher so wirklixh woher das Christkind kommt! Toll geschrieben, ich vermisse Dich Catrin, du bist eine der tollsten Frauen die ich kenne!

  • #2

    Pala (Donnerstag, 01 Februar 2018 22:31)

    Sehr schön und allen viel Spass im kulturellen Familien Abenteuer

Das sind wir

Alina und Alexandra.

 

Zwei ehemalige Flugbegleiterinnen.

 

Zweifachmamas.

 

Wir teilen nicht nur die Affinität für fremde Kulturen und Länder, vielmehr auch den Wunsch, unsere kleinen Menschenkinder zu weltoffen denkenden, toleranten und achtsamen Erdbewohnern auf zu ziehen.

 

Warum nicht Erfahrungen und Wissenswertes teilen!?

 

Desweiteren schwelgen wir gern in Erinnerungen aus unserer Zeit als Flugbegleiterin - hierzu findest Du mehr in der Rubrik "Gallytalk".

 

So kam die Idee zu diesem Blog.

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #5

    Gulia (Dienstag, 02 Januar 2018 12:25)

    Ich bin über eine Instafreundin auf euren Blog gestoßen.
    Richtig schön, bin gespannt auf das was noch kommt!! Frohes Neues Jahr und lieben Gruß

  • #4

    Marie (Sonntag, 10 Dezember 2017 16:47)

    Newsletter bestellt ;)
    Super Blog weiter so.

  • #3

    Carola (Freitag, 08 Dezember 2017 16:23)

    Schöner Blog. Auch als oma interessant! Macht ihr klasse Mädels.. .

  • #2

    Marga (Mittwoch, 22 November 2017 19:30)

    Super toll geschrieben gefällt mir sehr weiter so Marga

  • #1

    Susy (Mittwoch, 22 November 2017 13:07)

    Hallo Alina ♥
    Hallo Alexandra!

    Ich bin jetzt schon begeistert von eurer Seite.
    Toll aufgebaut, sehr informativ und eure Foto´s sind der Hammer.
    Ich habe mich direkt in eurem Newsletter eingetragen, so dass ich nichts mehr verpasse.
    Macht weiter so...Liebe Grüße, Susy☺